Ein Tag in der Caritasstelle

Haus 31, Haus der Beratungsdienste und der Verwaltung, ein Tag im Herbst 2014:

Ab 07:00 Uhr: Die Mitarbeitenden der Asylverfahrensberatung arbeiten die Beratungen des Vortags auf, führen Telefonate, schreiben Briefe und Anträge. Telefone klingeln ständig, auch bei der Verwaltung: „Wir möchten Bekleidung spenden, wann können wir sie abgeben?“ Ein Flüchtling, der vor vier Monaten aus Friedland nach Rhauderfehn (das liegt bei Leer, weiß aber außer den Rhauderfehnern kaum jemand) verteilt wurde, ruft an. Er hat seit der Verteilung nichts von seinem Asylverfahren gehört und möchte wissen, wie es steht. Anruf beim zuständigen Bundesamt. Ergebnis: Warten, Geduld bitte!

09:00 Uhr: Beginn der Sprechstunden, die Türen gehen auf. Die Dolmetscherin ist schon da, ebenfalls ein Praktikant. Neun Asylsuchende vor dem Büro. Die Beratenden teilen sich auf, manche Gespräche werden auf Englisch geführt, andere mit der hin und her pendelnden Dolmetscherin auf Arabisch. Sechs Ratsuchende aus Syrien, zwei aus Eritrea, einer aus dem Irak. Manche haben ihren Verteilungsbescheid in eine niedersächsische Gemeinde erhalten und wollen wissen, wo sie leben werden und wer ihnen dort weiterhelfen kann. Andere haben in Italien Fingerabdrücke hinterlassen und ahnen, dass das für ihr Asylverfahren in Deutschland zum Problem werden könnte.

Ein Auto fährt vor. Eine Frau kommt ins Büro und fragt, wo sie ihre Bekleidungsspende abgeben kann. Der Hausmeister hilft weiter. Der Flur füllt sich weiter. Zwei Familien wollen sich einen Kinderwagen ausleihen. Eine wird von der Reinigungskraft bedient, die zweite fragt beim Jugendmigrationsdienst an. Die Verwaltungskraft erklärt einem Flüchtling die Bahnverbindung zu dem Ort, an den er morgen verteilt wird. Eigentlich auch nicht ihr Job.

Eine junge Spätaussiedlerin hat Fragen zu ihrem Bildungsweg in Deutschland. Der Jugendmigrationsdienst erklärt ihr das Berufsbildungssystem, nachdem er einen weiteren Kinderwagen ausgegeben und zwei gespendete Koffer angenommen hat.

Sieben der Flüchtlinge wurden beraten, die anderen beiden warten noch, elf weitere sind hinzugekommen. Drei davon stammen aus Afghanistan und sprechen kein Englisch. Mit einer Dolmetscherin wird ein Beratungstermin für den nächsten Nachmittag vereinbart, sie übersetzt das den beiden Männern und der Frau am Telefon. Daneben steht eine Familie aus Russland, die Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen benötigt. Die Beratung für SpätaussiedlerInnen öffnet um 13:00 Uhr, das wird der Familie vom Flüchtlingsberater erklärt, während er im Flur versucht zu sortieren, wer welches Anliegen hat, für Beratung Übersetzung braucht und wann und bei wem drankommt.

Ein weiterer Kinderwagen, zwei Kleiderspenden später, wollen zwei syrische Frauen wissen, wo sie in Friedland Deutsch lernen können. Hinweis auf den Sprachkurs, der gerade im Saal nebenan von Ehrenamtlichen angeboten wird. Das passt, weil gerade die Kurslehrerin vorbeikommt, die noch Kugelschreiber benötigt. Verweis auch auf das Frauenzentrum, wo ebenfalls täglich Sprachunterricht gegeben wird. Zwischen diversen Anrufen versucht die Verwaltungskraft, mit der Buchhaltung voranzukommen. Zwecklos, weil der Monteur für die Heizung in der Tür steht und eine neue Ehrenamtliche, die in der Kleiderkammer mitarbeiten möchte.

„Nein, die neue SIM-Karte fürs Handy (einzige Verbindung für Flüchtlinge zur Familie daheim, Internet gibt es im Lager nicht) können wir nicht einrichten, aber der Kollege im Jugendclub kann vielleicht weiterhelfen.“ Der Flur ist immer noch voll. Der Jugendmigrationsdienst hat diverse Beratungen mit jungen SpätaussiedlerInnen und Asylsuchenden. „Kann ich in Deutschland mein Studium fortsetzen?“ „Gibt es in Celle eine passende Schule?“ Manche Gespräche auf Deutsch, manche in Englisch, einmal springt die anwesende Arabischdolmetscherin kurz ein.

Die beiden AsylverfahrensberaterInnen und der Praktikant führen ebenfalls fortwährend Beratungsgespräche. Meistens zu den Schritten des Asylverfahrens, aber auch: Ja, ihre Dokumente können wir vom Handy ausdrucken und nein, Bekleidung gibt es hier nicht, die bekommen Sie heute Nachmittag im Haus gegenüber. Ja, der Sprachkurs findet morgen statt. Sportmöglichkeiten und Fernsehen: gibt es in den Jugendclubs. Während ein verzweifelter Mann aus dem Irak wissen möchte, wie er seine Frau und seine Kinder so schnell wie möglich nachholen kann, kommt ein pakistanischer Mann ins Büro gestürmt, „Excuse me, could you wait little outside, please?“ Es klingelt, die Post, ein Paket, bitte unterschreiben.

12:00 Uhr: Mittagspause. Eigentlich. Das Telefonat mit der Kollegin aus Lüneburg wegen der Familie, die vorgestern dorthin verteilt wurde, dauert zum Glück nicht zu lange. Weitere Anträge und Telefonate.

13:00 – 16:00 Uhr: Nachmittagssprechstunde. Gleiches Prozedere wie am Vormittag, nun auch Sprechstunde für SpätaussiedlerInnen. Und wenn ein Flug mit Flüchtlingen im Resettlement oder der Humanitären Aufnahme angekommen ist (phasenweise im Zwei-Wochen-Takt), kommen diese Menschen ebenfalls in die Sprechstunden.

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