Pressemitteilung: Kurzer Prozess hinter Stacheldraht

Caritas in Niedersachsen gegen Errichtung von Ankerzentren

Hannover, 17. Mai 2018. „Eine landesweite Isolation von Asylsuchenden in Ankerzentren lehnen wir ab“, kommentiert Thomas Uhlen, Landessekretär der Caritas in Niedersachsen die bekanntgewordenen Pläne des Bundesinnenministeriums, in Bramsche und Bad Fallingbostel sogenannte Ankerzentren einzurichten. „Eine Unterbringung ohne Sprachkurse, Bildungsangebote für Kinder, Integration und Privatsphäre soll offensichtlich mehr der Abschreckung potentieller Asylsuchender, als der Beschleunigung von Asylverfahren dienen“, vermutet Uhlen. „Die Leidtragenden dieser Abschottungspolitik sind zuallererst die Frauen und Kinder, deren Schutz in diesen Massenunterkünften nur unzureichend Rechnung getragen werden kann.“

Anstatt eine der Integration dienliche dezentrale Unterbringung weiter zu forcieren und eine effiziente Rechtsschutzgarantie des Grundgesetzes zu gewährleisten, hole man das schon mehrfach gescheiterte Konzept größtmöglicher Ausgrenzung wieder aus der Mottenkiste. Dem Bekenntnis von Landesinnenminister Boris Pistorius, der sich nach eigener Aussage kein Kuckucksei ins Nest legen lassen will, kann Uhlen nur wenig Zuversicht abgewinnen: „Dann übernimmt der Bund eben das ganze Nest.“ Dass entgegen der Koalitionsvereinbarung eine unabhängige Asylverfahrensberatung in den aktuellen Plänen nicht mehr vorgesehen sei, sei der klägliche Versuch durch unfaire Verfahren „kurzen Prozess hinter Stacheldraht“ zu machen, befürchtet Uhlen. „Perspektivlosigkeit ist nie die Lösung, sondern immer das Problem“, macht Uhlen abschließend deutlich. „Das soziologische Experiment von Ankerzentren in Bramsche, Bad Fallingbostel und anderswo, in denen teils traumatisierte Asylsuchende mit unterschiedlichsten Fluchtbiografien auf engstem Raum abgeschirmt werden, gehört schnellstmöglich eingestellt.“

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Veröffentlicht unter Caritasstelle