In diesem Jahr sind bereits 10.000 der insgesamt 20.000 Menschen aus Syrien unter den ersten beiden humanitären Aufnahmeprogrammen des Bundes angekommen. Davon sind ca. 5.000 als Gruppe eingereist und haben zwei Wochen in den Erstaufnahmeeinrichtungen Bramsche und Friedland Orientierungskurse bekommen und das Beratungsangebot der Caritasstelle wahrgenommen. Ab November 2014 starten die Einreisen für das dritte und vorerst letzte Aufnahmekontingent. Auch hier werden die Gruppeneinreisenden, die von UNHCR vorgeschlagen wurden und mit einem von IOM organisierten Flug aus dem Libanon kommen, in Bramsche und Friedland betreut. Die Gruppeneinreisen werden voraussichtlich bis Mitte 2015 andauern.

Außerdem werden noch 300 Personen unter der jährlichen Resettlementquote erwartet.  Deutschland hat sich zu dieser Art der Aufnahme als eine Lösung mit dauerhafter Perspektive für verfestigte Flüchtlingssituationen in Erstzufluchtländern verpflichtet. Politische Diskussionen über eine Ausweitung der Quote, die für UNHCR und deutsche Kommune eine bessere Planbarkeit schafft, laufen. In diesem Jahr kommt ein Flug direkt aus Syrien mit ca. 200 durch UNHCR anerkannten Flüchtlingen aus Drittstaaten, z.B. aus Iraker, Somalis und Palästinenser, die vor einigen Jahren selbst in Syrien Schutz erhalten haben und jetzt durch den Bürgerkrieg erneut Gefahr ausgesetzt sind. Die zweite Gruppe sind hauptsächlich Tamilen aus Sri Lanka, die derzeit in Indonesien als Flüchtlinge leben und dort kaum Unterstützung erhalten. Von Bramsche und Friedland reisen diese Personenkreise in alle deutschen Bundesländer weiter und benötigen bei den ersten Schritten am neuen Wohnort sowie den vielen Behördengängen viel Unterstützung. Beiden Gruppen soll durch die Neuansiedlung in Deutschland eine langfristige Lebensperspektive ermöglicht werden.

Frauen aus Göttingen, Groß Schneen, Deiderode und anderen nah an Friedland liegenden Orten besuchten am Sonntag, den 28.09.2014 das Cafe international im Grenzdurchgangslager und trafen dort Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Sie alle folgten der Einladung des Jugendclubs „Kakadu“ – einer Freizeiteinrichtung für Asylsuchende der dortigen Caritas-Stelle, der sich an diesem sonnigen Sonntagnachmittag in ein Ort der Begegnung und des Austauschs zwischen Migrantinnen und einheimischen Bürgerinnen verwandelte. Dabei wirbt der Deutsche Caritasverband in seiner Jahreskampagne 2014 „Globale Nachbarn“  mit dem Slogan „Weit weg ist näher, als du denkst“ für mehr Solidarität mit MigrantInnen hier in Deutschland und mit Menschen in Entwicklungsländern.

Mit Hilfe der Dolmetscherinnen oder selbständig und ganz spontan gingen die einheimischen Besucherinnen auf die Migrantinnen zu und erfuhren dabei Einiges von ihren Fluchtschicksälen und den Zweifeln, aber auch von ihrem unerschütterlichen Glauben an ein sicheres Leben in Deutschland für sie in ihre Familien.  Als im weiteren Verlauf der Veranstaltung die Musik erklang, gaben die Asylbewerberinnen ihre tänzerischen Künste zum Besten und luden die Einheimischen zum gemeinsamen Tanz ein.

Die deutschen Bürgerinnen zeigten großes Interesse für die Arbeit der Caritas-Stelle im Lager und für die Einsatzmöglichkeiten zur Ausübung einer ehrenamtlichen Tätigkeit dort. Sie berichteten von bereichernden Gesprächen mit den neuen „Nachbarn“ und von eindrucksvollen und erlebnisreichen Begegnungen mit den Menschen hinter den Meldungen in der Presse.

Passend zum Erntedankfest sorgte außerdem das reichhaltige Buffet mit dem Kuchen, Obst und orientalischen Köstlichkeiten für das leibliche Wohl. Alle Lebensmittel waren gespendet – an dieser Stelle vielen herzlichen Dank an die Bäckerei Hermann, Fruchthof Northeim und Edeka neukauf Gonschior!

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(aus dem Göttinger Tageblatt vom 01.10.2014)